TEIL 5 - AUF DER SUCHE NACH DEM SOMMER

Wir fuhren also in Richtung Norden, denn dort wollten wir die Weihnachtstage verbringen. Grillen am Strand - das war unsere Vorstellung von einem perfekten Weihnachtsfest auf der Südhalbkugel. In Weihnachtsstimmung waren wir in den letzten Wochen dank der warmen Temperaturen noch nicht gekommen, aber das würde sich bestimmt noch ändern. Bei strahlendem Sonnenschein ging es nun erstmal durch die nördlichen Vororte von Auckland raus aus der Großstadt in Richtung Bay of Islands. Wo wir nur hinschauten fröhliche Menschen in Ferienstimmung und auch wir kamen nach der anstrengenden Zeit in Thailand richtig in Urlaubslaune. Der erste Stellplatz war unspektakulär aber schön: ein Parkplatz in einem süßen Städtchen direkt an einem Park gelegen und mit Blick auf eine kleine Bucht. Dort schlugen wir zum ersten Mal unser Lager auf. Die vielen Spaziergänger, die mit ihren Hunden vorbei kamen, schenkten uns mindestens ein Lächeln und einige von ihnen hielten sogar für ein Pläuschchen an. Wenn man mit kleinem Baby reist - so sollten wir immer wieder feststellen - sind die Menschen einem sehr zugewandt und stehen einem auch ungefragt mit Rat und Tat zur Seite. Sowieso fiel uns schon in den ersten Tagen auf, was für ein freundliches Volk die Kiwis sind. Besonders ältere Ehepaare hatten einen Narren an Heinke gefressen. Ein Rentner, mit dem wir uns am ersten Abend etwas länger unterhielten, gab uns dann einen sehr wertvollen Hinweis, der unsere Reiseroute nachhaltig prägen sollte: Die Bay of Islands - unser erklärtes Weihnachtsziel - würde in den nächsten Tagen nicht nur von einheimischen Touristenmassen sondern auch von heftigen Regenfällen heimgesucht werden. Klingt komisch, aber über das Wetter hatten wir uns bisher noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Es war doch so schön gewesen in den ersten Tagen. Also waren wir einfach davon ausgegangen, es sei nun erstmal Sommer in Neuseeland. Und Sommer bedeutete schließlich Sonnenschein oder etwa nicht? Nach kurzer Internetrecherche bestätigt sich nun aber leider, was der nette Opi gesagt hatte: Regen, Regen und noch mehr Regen im Norden der Nordinsel und das die ganzen nächsten Wochen über. Mist. Der alte Mann war zwar nett, aber dann doch nicht so nett uns über die Feiertage zu sich nach Hause einzuladen - also mussten wir uns selber einen Schlachtplan überlegen. Es folgte eine ausgedehnte Recherche, nach der wir zu dem Schluss kamen, unsere Reiseroute komplett umzuschmeißen. Also runter in Richtung Süden, dann auf die Südinsel und ganz am Ende - wir würden im März ja sowieso wieder nach Auckland zurück fahren - hoch in den Norden. So sollten wir eigentlich den schlimmsten Regenfällen entgehen, ein paar nasse Tage würden sich aber wahrscheinlich nicht vermeiden lassen. Nun gut, so ist das halt, wenn man drei Monate reist. Es kann nicht immer nur schönes Wetter geben. Wir fuhren am nächsten Tag also die ganze Strecke wieder zurück, an Auckland vorbei in Richtung Süden.

Der erste Regenguss erwischte uns dann während wir gemütlich im warmen Wasser der heißen Quellen von Miranda herum schwammen - ha, Petrus, wir sind vorbereitet, so leicht kannst du uns nichts anhaben! Frisch gebadet und mit blendender Laune trotz des trostlosen Wetters fuhren wir weiter an die Ostküste, denn

schenkte man der Wetter-App glauben, sollte es dort erstmal trocken bleiben. Dem war auch so und wir verbrachten drei wunderschöne Tage in Matata. Hier begann eine kleine Liebesgeschichte, die sich durch unsere gesamte Zeit in Neuseeland ziehen sollte: Heinke und die Vögel. Auf dem Campingplatz waren gleich mehrere große und kleine Vogelarten zu Hause und Heinke liebte es in seinem Hochstuhl zu sitzen und sie zu beobachten. Die Vögel wiederum liebten es, nachdem Heinke gegessen hatte unter seinem Hochstuhl nach Essensresten zu suchen - die Sympathie beruhte also auf Gegenseitigkeit.

Von Matata aus ging es weiter zum Lake Taupo und wir mussten einsehen, dass man dem schlechten Wetter nun erstmal nicht mehr davon fahren konnte. Die nächsten Tage wurden grau und regnerisch und das ausgerechnet an Weihnachten. Und es wurde eng in Bruce. Wir begannen an unserer Entscheidung zu zweifeln: War dieser Bulli wirklich der Richtige für uns? Brauchte man als Familie nicht doch etwas mehr Platz? Wäre ein Campervan mit Hochdach nicht besser gewesen? Wir beneideten sogar kurzzeitig die Touristen in den schrecklichen Mietwohnmobilen um ihre Bewegungsfreiheit. Vielleicht sollten wir zusehen, dass wir Bruce schnell wieder verkauften und uns dann einen geeigneteren fahrbaren Untersatz zulegen. Wir haderten mit unserer intuitiven Entscheidung auf dem Automarkt und hätten sie am liebsten rückgängig gemacht. Irgendwann rissen wir uns dann aber doch am Riemen und überlegten, wie wir uns so einrichten könnten, dass der Urlaub mit Bruce auch bei Regen Spaß machen würde. Als erstes schmissen wir das selbstgebaute Babybett raus - so hatten wir im hinteren Teil des Autos deutlich mehr Platz und konnten sogar bei Regen drinnen kochen. Heinke begrüßte diese Entscheidung sehr, denn ab jetzt durfte er wieder mit uns in einem Bett schlafen. Außerdem kauften wir uns ein großes Tarp und drei Teleskopstangen, sowie Heringe und Schnüre, und bauten uns daraus ein Vorzelt. Dies erforderte diverse Baumarktbesuche, da wir bei jedem Aufbauen merkten, was uns noch fehlte um unsere Konstruktion zu perfektionieren. Mit dem Resultat waren wir dann sehr zufrieden und konnten uns nun doch vorstellen, Bruce bis zum Ende zu behalten. Außerdem - schenkte man dem Wetterbericht Glauben - würde es ab dem zweiten Weihnachtstag wieder schöner werden. So entschlossen wir uns, noch an Heilig Abend bis zum Tongarironationalpark zu fahren und dort auf die ersten Sonnenstrahlen zu warten.

Die nächsten zwei Tage machten wir es uns in Bruce gemütlich, kuschelten viel mit Heinke, veranstalteten mehrfach Picknick im Bett und guckten, sobald der kleine Mann ein Nickerchen machte, unsere Netflix-Serie weiter. Wie versprochen erwartete uns dann am 26.12. morgens ein strahlend blauer Himmel. Alles trocknete innerhalb von einer Stunde und wir fühlten uns wie an einem völlig anderen Ort. Plötzlich konnte man sogar die beeindruckende Berglandschaft am Horizont sehen. Wir freuten uns auf ausgiebige Wanderungen durch diese Kulisse und waren gespannt wie Heinke sein diesjähriges Weihnachtsgeschenk gefallen würde. Doch das verdient in einem eigenen Kapitel erzählt zu werden...

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