TEIL 6 - WANDERLUST

Wir befanden uns also im Tongariro-Nationalpark und nach zwei anfänglichen Regentagen war es nun endlich sonnig und warm. Da bleibt einem doch gar nichts anderes übrig als wandern zu gehen. Wir hatten für Heinke zu Weihnachten im Sale einen Deluxe-Tragerucksack von macpac erstanden und waren nun ganz heiß darauf diesen endlich auszuprobieren. Beim Probetragen im Laden hatte Heinke gegrinst wie ein kleiner König auf seinem nagelneuen Thron. Auch bei der Einweihungswanderung in einer kleinen Regenpause am ersten Weihnachtsfeiertag sah es zunächst so aus als liebte Heinke seinen neuen Rucksack. Stolz schwebte er über unseren Köpfen und genoss die freie Sicht auf Bäume, Berge und Vögel. Der Wanderweg war noch von den Regengüssen der letzten Tage gezeichnet und wir mussten so einige große und kleine Pfützen umwandern und überspringen. Auch das fand Heinke sehr lustig. Nach einer guten halben Stunde kam uns ein Vater mit seinen drei Söhnen entgegen und warnte uns vor einer Pfütze in Größe eines kleinen Sees, die man auf keinen Fall trockenen Fußes überqueren könne. Daher waren die vier umgedreht und nach kurzem Beratschlagen und einem Blick in den Himmel taten wir es ihnen gleich. Es war in der Zwischenzeit nämlich wieder bedrohlich dunkel geworden und wir befürchteten es nicht vor dem nächsten Regenguss nach Hause zu schaffen. Und so kam es dann auch. Es begann zu regnen - erst nur ein bisschen, dann innerhalb von Minuten so stark, dass wir innerhalb kürzester Zeit bis auf die Unterhose durchnässt waren. Alle bis auf Heinke. Der tolle neue Rucksack hatte nämlich ein ebenso tolles Regencape, unter dem der kleine König kaum etwas vom Regen abbekam. Doch das wusste Heinke keineswegs zu schätzen. Ganz im Gegenteil: Er hasste das Cape, weil es seine Sicht einschränkte und vermutlich gefiel ihm auch die nicht mehr ganz so ausgelassene sondern etwas hektischere Stimmung nicht. Das ließ er uns lautstark wissen. Da half kein Händchen halten und auch kein gut zureden - er wollte einfach nur aus dem bescheuerten Rucksack raus. Das war allerdings gerade keine Option. Also joggten wir so schnell wir konnten in Richtung Bruce, das heulende Kind auf dem Rücken. Nach endlosen 20 Minuten

kamen wir endlich an und konnten Heinke aus seinem Gefängnis befreien. Und siehe da, er dankte es uns mit einem Lächeln. Schnell tauschten wir die nassen Klamotten gegen gemütliche Jogginghosen und kuschelten uns in den Bulli. Der erste Ausflug mit dem Wanderrucksack war also buchstäblich ins Wasser gefallen.
Doch jetzt bei 25 Grad und Sonnenschein wollten wir unser Glück noch einmal versuchen. Der kleine Mann wurde also in den Rucksack gesetzt und wir brachen zu unserer ersten richtigen Wanderung in Neuseeland auf. Ihr sollten noch viele folgen, aber sie gehört nach wie vor zu den Schönsten, die wir bisher unternommen haben. Vor atemberaubender Kulisse wanderten wir auf den berühmten Schicksalsberg aus dem Film “Herr der Ringe” zu. Wir waren überwältigt von so viel eindrucksvoller Natur und genossen jeden Meter der insgesamt 17km langen Wanderung. Auch Heinke war sehr zufrieden mit seinem Transportmittel, guckte vergnügt in der Gegend herum und machte unterwegs zwei Nickerchen. Und er erzählte, erzählte, erzählte. Dies sollte von nun an bei jeder Wanderung so sein. Heinke übte nach und nach neue Laute und probierte seine Stimme aus. Von “nein nein nein nein nein nein nein” über “mamamamamamamama”, “dadada” bis hin zum gerollten “r” erweiterte unser Sohn stetig sein Repertoire. Aus irgendeinem Grund schien er der Meinung zu sein, Wanderungen würden sich hierfür besonders gut eignen. Es war unfassbar niedlich, was dieser kleine Mensch dort oben veranstaltete und wir schmolzen immer wieder dahin.
Wir unternahmen noch zwei weitere Wanderungen bevor wir den Nationalpark in Richtung Ostküste verließen. Silvester stand vor der Tür und da dieses Jahr für uns so ein besonderes gewesen war, wollten wir den Jahreswechsel gebührend feiern. Wir hielten es für eine gute Idee, dies am Strand zu tun und hatten den Tipp bekommen, den “Pacific Coast Highway” entlang zu fahren. Da wir uns bisher immer gut auf Empfehlungen hatten verlassen können, taten wir das auch. Ins neue Jahr kamen wir dann jedoch ganz anders als gedacht - wie das genau aussah könnt ihr im siebten Kapitel unseres Blogs lesen..

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Avery am 4. Juli 2019 um 22:13

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